FitSM: eine leichtgewichtige Alternative zu ITIL?

– Larissa Weigand

FitSM hat es sich als leichtgewichtiges IT-Service Management Framework zur Aufgabe gemacht, eine vernünftige Alternative für ITIL zu sein. ITIL steht für Effizienz und Qualität bei der Erbringung von Services. Doch wie schneidet der FitSM-Standard ab? Dieser steht für ein für schlankes IT Service Management.

Was ist FitSM?

„Keep it simple“ – Das ist das wesentliche Design-Prinzip von FitSM. Es wurde im Rahmen des EC-FP7 Projekts “FedSM” durch die Europäische Kommission unterstützt und finanziert. Hier handelte es sich aber nicht um ein klassisches Forschungsprojekt, sondern um eine „Coordination & Support Action“. Ziel dieses Frameworks ist es, eine Familie von Standards für ein IT Service Management (ITSM) zu erschaffen. Dieses soll besonders einfach für IT Service Provider und kleine bis mittlere IT-Organisationen umsetzbar sein.

Leichtgewichtiges IT- Service Management in der Praxis

Die immer intensiver werdenden Geschäftsprozesse durch Applikationen und IT-Systeme bringen eine ständig steigende Abhängigkeit einer funktionieren IT mit sich. Wie setzt sich also FitSM in der Praxis um?
Das Rahmenwerk steht für ein IT-Service-Management, dessen Implementierung mit vertretbarem Aufwand umzusetzen ist. Bestehende Standards wurden auf das Wesentliche reduziert und zusammengeführt, sowie Prozesse und Rollen reduziert.
Der gravierendste Unterschied zwischen bestehenden Frameworks und diesem liegt aber in dessen Ansatz. Andere ITSM-Standards entwickelten über Jahre eine große Palette an Best Practices, die immer mehr erweitert und verfeinert werden. FitSM hingegen ist eher einfach strukturiert und damit für jedermann schnell zu verstehen. Durch die integrierten Anforderungen ist eine gezielte Überprüfung und Messbarkeit gegeben. Zudem bietet FitSM IT-Verantwortlichen eine Liste an Anforderungen mit klaren Beschreibungen. Somit können diese die Reifegerade selbst bestimmen und davon die notwendigen Handlungen zur Erreichung des nächsthöheren Reifegrades ableiten.

Bestandteile des leichtgewichtigen ITSM

Das Framework basiert auf anderen erprobten Rahmenwerken wie ISO/IEC 20000, COBIT aber auch ITIL. Es beschreibt 14 Prozesse und gibt 85 definierte Anforderungen für ein effektives ITSM mit auf den Weg.

FitSM-0: Übersicht und Vokabular (Übersicht der verwendeten ITSM Begriffe)
FitSM-1: Anforderungen an ein leichtgewichtiges IT-Service-Management. Gegliedert in 7 Kategorien der General Requirements und Anforderungen für 14 Process Requirements
FitSM-2: Ziele und Aktivitäten, die zur Erfüllung der in FitSM-1 beschriebenen Anforderungen empfohlen werden
FitSM-3: Rollenmodell der allgemeinen und prozess-spezifischen Rollen in einem Service-Management-System
FitSM-4: Ausgewählte Vorlagen und Beispiele von Dokumenten, die ständig weiterentwickelt werden
FitSM-5: Ausgewählte Umsetzungsleitfäden (Ratgeber) von Dokumenten, die ständig weiterentwickelt werden
FitSM-6: Reifegrad-/Fähigkeitsmodell und Beurteilungsschema

FitSM Framework

 

In FitSM-01 werden 83 Anforderungen definiert. Diese sollten von einer Organisation oder Föderation, welche IT-Services anbietet, erfüllt werden. Die Übereinstimmung der Anforderungen wird hier als Nachweis der Effektivität betrachtet. Unterteilt sind diese in Allgemeine- und Prozess-Anforderungen. Neben 17 allgemeinen General Requirements (Anforderungen), gibt es 66 Process Requirements (Prozessanforderungen), welche die 14 IT Service Management-Prozesse nach FitSM beachten.
Diese Definition der Anforderungen ist wohl der größte Unterschied zu ITIL, welches Anforderungen dieser Art nicht vorsieht. Anders ist dies bei den allgemeinen Anforderungen. Denn hier setzen beide Frameworks auf den häufig genutzten PDCA-Zyklus nach Deming. Somit wird auf einen bewährten Qualitätsmanagementansatz aufgebaut.

Die oben erwähnten 14 Prozesse sind schon von ITIL und der ISO 20000 bekannt und sind folgende:
• Service Portfolio Management (SPM)
• Service Level Management (SLM)
• Service Reporting Management (SRM)
• Service Availability & Continuity Management (SACM)
• Capacity Management (CAPM)
• Information Security Management (ISM)
• Customer Relationship Management (CRM)
• Supplier Relationship Management (SUPPM)
• Incident & Service Request Management (ISRM)
• Problem Management (PM)
• Configuration Management (CONFM)
• Change Management (CHM)
• Release & Deployment Management (RDM)
• Continual Service Improvement Management (CSI)

Leser die sich schon mit ITIL befasst haben werden nun bemerken, dass einige bekannte Prozesse zusammengefasst wurden.

Fazit: Ist FitSM eine alternative für ITIL?

Jedem Entscheider muss vor Beginn der Einführung eines IT-Service Managements klar sein, welches Ziel verfolgt werden soll. FitSM ist mit den Anforderungen an ein IT Service Management System mit den internationalen Standards der ISO/IEC 20000 und ITIL Best Practice kompatibel. Dies sollte bei der Überlegung ein ITMS aufzuziehen definitiv in Betracht gezogen werden.
FitSM ist besonders für IT-Organisationen geeignet, die ihre Zielsetzung definiert haben und zeitnah starten wollen. Da ITIL ein sehr umfassendes Framework ist, bedarf es einer zeitaufwendigeren Planung und Implementierung.

Für wen eignet es sich besonders?

Mit FitSM ist es durch die Reduzierung der Anforderungen möglich ein ITSM schneller zu implementieren. Hierdurch ist es gerade für IT-Verantwortliche um einiges leichter, da sie einen umfangreichen Ratgeber als Hilfestellung an die Hand bekommen. Besonders für kleine und mittelständigen Unternehmen eignet sich dieser Weg, da einige Inhalte aber auch Prozesse von ITIL nicht benötigt werden.
Wichtig zu wissen ist: ITIL kann auch ergänzend zu FitSM gelehrt bzw. gelebt werden. Letztendlich ist es für jede IT-Organisation, egal welche Größe, wichtig, ein ITSM einzuführen und dadurch zu lernen. Die größte Gefahr ist stets von der Komplexität eines Frameworks erdrückt zu werden.

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