Datenschutz bei Gesundheits-Apps: 7 wichtige Tipps zum Schutz Ihrer Gesundheitsdaten

Fitness, Schlaf, Ernährung, Menstruationszyklus oder psychisches Wohlbefinden: Gesundheits-Apps sind für viele Menschen zu täglichen Begleitern geworden. Sie können dabei helfen, Gewohnheiten zu dokumentieren, persönliche Ziele zu verfolgen oder eine medizinische Behandlung zu unterstützen. Gleichzeitig verarbeiten viele dieser Anwendungen äußerst persönliche Informationen – vom Puls und Schlafverhalten bis hin zu Angaben über Erkrankungen, Medikamente oder die psychische Gesundheit.
Beim Datenschutz von Gesundheits-Apps ist deshalb besondere Vorsicht geboten. Bevor Sie einer Anwendung sensible Informationen anvertrauen, sollten Sie prüfen, wer hinter ihr steht, welche Daten sie benötigt und was anschließend damit geschieht.
Warum Gesundheitsdaten besonders sensibel sind
Gesundheits-Apps decken eine große Bandbreite ab. Fitness-Apps erfassen beispielsweise Schritte, Herzfrequenz, Gewicht und Trainingseinheiten. Andere Anwendungen dokumentieren Schlaf, Ernährung oder den Menstruationszyklus. Mental-Health-Apps können Angaben über Stimmung, Stress, Ängste oder andere Aspekte der psychischen Gesundheit verarbeiten.
Nach Artikel 9 DSGVO gehören personenbezogene Daten, aus denen Informationen über die körperliche oder geistige Gesundheit hervorgehen, zu den besonderen Kategorien personenbezogener Daten. Dabei kann auch die Kombination verschiedener Fitness-, Verhaltens- und Standortdaten sensible Rückschlüsse ermöglichen. Aus Schlafzeiten, Bewegungsmustern oder regelmäßig aufgesuchten Orten lassen sich unter Umständen Informationen ableiten, die Nutzende gar nicht bewusst angegeben haben.
Entscheidend ist daher, dass nachvollziehbar bleibt, welche Daten erhoben, wofür sie verwendet, wie lange sie gespeichert und an wen sie übermittelt werden.
Datenschutzanforderungen in App-Stores
Die großen App-Plattformen haben ihre Vorgaben für Gesundheits-Apps in den vergangenen Jahren erweitert. Google Play verlangt von Anbietern gesundheitsbezogener Apps eine Gesundheitserklärung in der Play Console. Außerdem muss eine öffentlich erreichbare Datenschutzerklärung sowohl im Store-Eintrag als auch innerhalb der App verfügbar sein.
Darin müssen der Zugriff auf personenbezogene und sensible Daten sowie deren Erhebung, Nutzung und Weitergabe beschrieben werden. Nach der aktuellen Google-Play-Richtlinie für Gesundheitsinhalte und -dienste sollen Apps nur diejenigen Gesundheitsberechtigungen anfordern, die für ihre Kernfunktionen erforderlich sind. Daten, auf die über Health Connect zugegriffen wird, gelten als personenbezogene und sensible Nutzerdaten und unterliegen zusätzlichen Vorgaben.
Solche Erklärungen sind dennoch kein unabhängiges Qualitätssiegel. Die Angaben stammen in erster Linie von den Anbietern selbst. Nutzende sollten Berechtigungen, Datenschutzerklärung und Geschäftsmodell daher weiterhin eigenständig prüfen.
Gesundheits-App oder DiGA: Wo liegt der Unterschied?
Nicht jede Gesundheits-App ist eine Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA). Die sogenannten „Apps auf Rezept“ müssen als Medizinprodukte CE-gekennzeichnet sein und ein Aufnahmeverfahren beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte durchlaufen.
DiGA können nach der aktuellen Rechtslage den Risikoklassen I, IIa oder IIb angehören. Das BfArM prüft die vorgelegten Nachweise unter anderem im Hinblick auf Sicherheit, Funktionstauglichkeit, Qualität, Datenschutz, Datensicherheit und positive Versorgungseffekte. Bei DiGA der höheren Risikoklasse IIb muss ein medizinischer Nutzen nachgewiesen werden. Die gesetzlichen Grundlagen ergeben sich aus § 33a SGB V und § 139e SGB V.
Seit 2025 müssen Hersteller für die Datensicherheit außerdem einen Zertifikatsnachweis nach den vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik festgelegten Anforderungen vorlegen. Eine beliebige Fitness- oder Mental-Health-App aus einem App-Store sollte daher nicht mit einer geprüften DiGA gleichgesetzt werden.
Datenschutzerklärung genau prüfen
Vor der Installation lohnt sich ein Blick in die Datenschutzerklärung. Sie sollte verständlich erklären, welche Gesundheits- und Kontaktdaten verarbeitet werden, zu welchen Zwecken dies geschieht und ob Informationen an Analyseunternehmen, Werbedienstleister, Forschungsstellen oder andere Empfänger weitergegeben werden.
Wichtig ist außerdem, wo die Daten gespeichert werden. Bei einer Verarbeitung außerhalb der EU beziehungsweise des Europäischen Wirtschaftsraums sollte erklärt werden, auf welcher rechtlichen Grundlage die Übermittlung erfolgt und welche Schutzmaßnahmen vorgesehen sind. Auch Angaben zu Speicherfristen, Löschmöglichkeiten und dem Widerruf einer Einwilligung sollten leicht auffindbar sein.
Eine umfangreiche Datenschutzerklärung ist allerdings nicht automatisch eine gute Datenschutzerklärung. Entscheidend ist, ob sie konkret, nachvollziehbar und auf die tatsächlichen Funktionen der App zugeschnitten ist.
Berechtigungen auf das notwendige Minimum beschränken
Gesundheits-Apps können Zugriff auf Standort, Kamera, Mikrofon, Dateien oder körperbezogene Sensordaten verlangen. Eine App sollte jedoch nur auf Daten und Funktionen zugreifen dürfen, die sie für ihren konkreten Zweck benötigt.
Bei Wear OS 6, das auf Android 16 basiert, werden für entsprechend ausgerichtete Apps granularere Gesundheitsberechtigungen verwendet. Dadurch lässt sich genauer festlegen, ob eine Anwendung beispielsweise auf Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung oder Hauttemperatur zugreifen darf. Die Android-Dokumentation zu Gesundheitsberechtigungen beschreibt diese Aufteilung im Detail.
Prüfen Sie erteilte Berechtigungen regelmäßig. Bedenken Sie dabei, dass Smartphone-Berechtigungen nur den Zugriff auf das Gerät regeln. Ob bereits übermittelte Daten auf Servern gespeichert oder weitergegeben werden, ergibt sich daraus nicht.
7 Tipps für mehr Datenschutz bei Gesundheits-Apps
- Anbieter überprüfen: Informieren Sie sich darüber, welches Unternehmen hinter der App steht, wo es seinen Sitz hat und wie transparent es mit Datenschutz, Sicherheit und Kontaktmöglichkeiten umgeht.
- Datenschutzerklärung lesen: Prüfen Sie, welche Daten erhoben, wofür sie verwendet, wie lange sie gespeichert und an welche Empfänger sie übermittelt werden. Achten Sie besonders auf Werbung, Profilbildung, Forschung und den Einsatz künstlicher Intelligenz.
- Berechtigungen begrenzen: Erlauben Sie nur Zugriffe, die für die gewünschte Funktion erforderlich sind. Eine Ernährungstagebuch-App benötigt beispielsweise nicht automatisch dauerhaften Zugriff auf Ihren Standort.
- Datensparsame Apps bevorzugen: Wählen Sie nach Möglichkeit Anwendungen, die ohne dauerhaftes Benutzerkonto funktionieren, Daten lokal verarbeiten oder eine Nutzung mit wenigen persönlichen Angaben ermöglichen.
- Konten und Geräte absichern: Verwenden Sie ein einzigartiges, starkes Passwort oder einen Passkey. Aktivieren Sie, sofern angeboten, die Multi-Faktor-Authentifizierung und schützen Sie Ihr Smartphone durch PIN, Biometrie und aktuelle Sicherheitsupdates.
- Verknüpfungen und Daten kontrollieren: Überprüfen Sie regelmäßig gespeicherte Informationen sowie Verbindungen zu Health Connect, Wearables und anderen Diensten. Das Löschen der App entfernt nicht automatisch das Benutzerkonto oder bereits übertragene Daten. Nutzen Sie deshalb die vorgesehenen Löschfunktionen und widerrufen Sie nicht mehr benötigte Zugriffe.
- Im Zweifel eine Alternative wählen: Bleibt unklar, warum eine App sensible Informationen benötigt oder wie sie finanziert wird, sollten Sie auf die Nutzung verzichten. Für viele Funktionen gibt es datensparsamere Alternativen.
Datenschutz bei Gesundheits-Apps ernst nehmen
Gesundheits- und Mental-Health-Apps können hilfreiche Funktionen bieten. Gleichzeitig gehören die von ihnen verarbeiteten Informationen zu den sensibelsten personenbezogenen Daten überhaupt. Erweiterte Vorgaben der App-Stores und strengere Anforderungen an DiGA verbessern den Schutz, ersetzen aber nicht die Aufmerksamkeit der Nutzenden.
Prüfen Sie deshalb Anbieter, Datenschutzerklärung, Berechtigungen und Löschmöglichkeiten, bevor Sie einer Anwendung Gesundheitsdaten anvertrauen. Grundsätzlich sollte gelten: Geben Sie nur so viele Informationen preis, wie für die gewünschte Funktion wirklich erforderlich sind.




