{"id":2845,"date":"2026-09-15T15:48:19","date_gmt":"2026-09-15T13:48:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.psw-training.de\/blog\/?p=2845"},"modified":"2026-09-15T15:48:19","modified_gmt":"2026-09-15T13:48:19","slug":"iso-190112026-was-sich-aendert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psw-training.de\/blog\/iso-190112026-was-sich-aendert\/","title":{"rendered":"ISO 19011:2026: Was sich bei Managementsystem-Audits \u00e4ndert"},"content":{"rendered":"<p>Die <strong>ISO 19011:2026<\/strong>\u00a0ist ver\u00f6ffentlicht und aktualisiert die Leitlinien f\u00fcr die Auditierung von Managementsystemen. F\u00fcr interne Auditoren, Informationssicherheitsbeauftragte und Verantwortliche f\u00fcr Managementsysteme ist die neue Ausgabe besonders relevant, weil sie st\u00e4rker auf digitale Arbeitsweisen, Remote-Audits und komplexe Lieferketten eingeht.<\/p>\n<p>Die internationale ISO 19011:2026 wurde im Mai 2026 ver\u00f6ffentlicht. Seit September 2026 liegt auch die DIN EN ISO 19011:2026-09 vor. Sie ersetzt die Ausgabe aus dem Jahr 2018.<\/p>\n<p>Die Revision ver\u00e4ndert die grundlegende Auditmethodik nicht vollst\u00e4ndig. Vielmehr passt sie die bekannten Prinzipien an eine Arbeitswelt an, in der Cloud-Dienste, verteilte Teams, virtuelle Standorte und digitale Nachweise l\u00e4ngst zum Alltag geh\u00f6ren.<\/p>\n<h2>Was ist die ISO 19011?<\/h2>\n<p>Die ISO 19011 enth\u00e4lt <strong>Leitlinien f\u00fcr die Auditierung von Managementsystemen<\/strong>. Sie beschreibt unter anderem Auditprinzipien, die Planung und Steuerung von Auditprogrammen, die Durchf\u00fchrung einzelner Audits sowie Anforderungen an die Kompetenz von Auditoren.<\/p>\n<p>Sie ist nicht auf ein bestimmtes Managementsystem beschr\u00e4nkt. Deshalb kann sie beispielsweise f\u00fcr Audits nach ISO 9001, ISO 14001 oder ISO\/IEC 27001 herangezogen werden.<\/p>\n<p>Wichtig ist dabei: Unternehmen werden nicht nach ISO 19011 zertifiziert. Die Norm dient viel mehr als methodische Orientierung f\u00fcr professionelle Managementsystem-Audits, insbesondere f\u00fcr interne Audits und Lieferantenaudits.<\/p>\n<h2>Warum wurde die ISO 19011 aktualisiert?<\/h2>\n<p>Seit der vorherigen Ausgabe von 2018 haben sich viele <strong>organisatorische Rahmenbedingungen<\/strong> ver\u00e4ndert. Prozesse werden st\u00e4rker <strong>digitalisiert<\/strong>, Besch\u00e4ftigte arbeiten <strong>ortsunabh\u00e4ngig<\/strong> und zahlreiche Anwendungen sowie Infrastrukturen befinden sich in der <strong>Cloud<\/strong>.<\/p>\n<p>Auch Audits selbst haben sich ver\u00e4ndert. Interviews per Videokonferenz, Bildschirmfreigaben, digitale Dokumentenpr\u00fcfungen und hybride Auditmodelle sind heute weit verbreitet.<\/p>\n<p>Die ISO 19011:2026 greift diese Entwicklung auf und <strong>integriert digitale Auditmethoden<\/strong> konsequenter in die bestehende Auditlogik.<\/p>\n<h2>Remote-Audits werden wichtiger<\/h2>\n<p>Eine der sichtbarsten Neuerungen betrifft <a href=\"https:\/\/www.vorest-ag.com\/Qualitaetsmanagement-ISO-9001\/Wissen\/Was-Ist-Ein-Remote-Audit-Und-Welche-Vorteile-Bietet-Das-Fernaudit?srsltid=AU7gw4X1CvUioqcj_5o-JbZrrDVDdbhNxU8Rb4SKAD3aEmSzR6RqlpBl\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Remote-Audits<\/a>.<\/p>\n<p>Die neue Ausgabe ber\u00fccksichtigt Remote-Auditmethoden deutlich systematischer. Dabei flie\u00dfen auch Erkenntnisse aus der ISO\/IEC TS 17012:2024 ein, die sich speziell mit Remote-Audits von Managementsystemen besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Remote-Audits werden damit nicht mehr nur als Ersatzl\u00f6sung betrachtet, wenn ein Vor-Ort-Termin nicht m\u00f6glich ist. Sie k\u00f6nnen regul\u00e4rer Bestandteil eines Auditprogramms sein.<\/p>\n<p>Entscheidend bleibt jedoch die Qualit\u00e4t der Auditnachweise. Nicht jede Anforderung l\u00e4sst sich ausschlie\u00dflich per Videokonferenz oder Dokumentenfreigabe zuverl\u00e4ssig bewerten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich Richtlinien, Tickets, Prozessbeschreibungen oder bestimmte Konfigurationen h\u00e4ufig gut remote pr\u00fcfen lassen, k\u00f6nnen physische Sicherheitsma\u00dfnahmen oder bestimmte operative Abl\u00e4ufe weiterhin einen Vor-Ort-Termin erforderlich machen.<\/p>\n<p>In der Praxis d\u00fcrften deshalb hybride Audits weiter an Bedeutung gewinnen.<\/p>\n<h2>Virtuelle Standorte r\u00fccken in den Fokus<\/h2>\n<p>Auch der Begriff des Auditumfangs wird durch die neue ISO 19011 st\u00e4rker an digitale Organisationsstrukturen angepasst.<\/p>\n<p>Ein Unternehmen besteht heute nicht mehr ausschlie\u00dflich aus B\u00fcros, Produktionsst\u00e4tten oder Rechenzentren. Prozesse k\u00f6nnen von Mitarbeitern im Homeoffice ausgef\u00fchrt werden, auf SaaS-Plattformen stattfinden oder vollst\u00e4ndig bei externen Cloud-Anbietern betrieben werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr Auditoren bedeutet das, dass der tats\u00e4chliche Prozess wichtiger wird als der physische Standort.<\/p>\n<p>Gerade bei Informationssicherheitsmanagementsystemen nach ISO\/IEC 27001 ist dieser Punkt relevant. Ein Audit sollte nicht nur pr\u00fcfen, was innerhalb der Unternehmensgeb\u00e4ude geschieht. Es muss auch ber\u00fccksichtigen, wo Informationen verarbeitet werden, welche externen Dienste genutzt werden und wer Zugriff auf relevante Systeme besitzt.<\/p>\n<p>Virtuelle Standorte und verteilte Prozesse m\u00fcssen deshalb st\u00e4rker in die Auditplanung einbezogen werden.<\/p>\n<h2>Risikobasierte Auditplanung gewinnt weiter an Bedeutung<\/h2>\n<p>Die ISO 19011:2026 h\u00e4lt am risikobasierten Ansatz fest und st\u00e4rkt dessen praktische Bedeutung.<\/p>\n<p>Nicht jeder Prozess muss mit derselben Intensit\u00e4t und H\u00e4ufigkeit auditiert werden. Kritische Gesch\u00e4ftsprozesse, auff\u00e4llige Bereiche oder besonders risikoreiche Abh\u00e4ngigkeiten sollten im Auditprogramm entsprechend st\u00e4rker ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr ein ISMS kann dies beispielsweise bedeuten, dass privilegierte Zug\u00e4nge, Cloud-Dienste, Identit\u00e4tsmanagement, Backup-Prozesse oder kritische Dienstleister intensiver betrachtet werden als Bereiche mit geringen Sicherheitsauswirkungen.<\/p>\n<p>Ein gutes Auditprogramm orientiert sich deshalb nicht nur an einem festen Jahreskalender. Es ber\u00fccksichtigt auch Risiken, Ver\u00e4nderungen und bisherige Auditfeststellungen.<\/p>\n<h2>Auditoren ben\u00f6tigen mehr digitale Kompetenz<\/h2>\n<p>Mit der Digitalisierung ver\u00e4ndert sich auch das Kompetenzprofil von Auditoren.<\/p>\n<p>Auditoren m\u00fcssen nicht zwangsl\u00e4ufig technische Spezialisten sein. Sie ben\u00f6tigen aber ausreichend Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Prozesse und Technologien, die sie bewerten.<\/p>\n<p>Das betrifft beispielsweise Cloud-Dienste, digitale Workflows, automatisierte Reports, Ticketsysteme oder Logdaten.<\/p>\n<p>Ein Screenshot ist nicht automatisch ein belastbarer Auditnachweis. Ein Dashboard zeigt m\u00f6glicherweise nur einen aktuellen Zustand. Auch automatisiert erzeugte Berichte m\u00fcssen hinsichtlich Herkunft, Vollst\u00e4ndigkeit und Aussagekraft bewertet werden.<\/p>\n<p>Auditoren m\u00fcssen deshalb einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen, ob digitale Informationen tats\u00e4chlich geeignet sind, ein Auditkriterium zu belegen.<\/p>\n<p>Gerade im Bereich Informationssicherheit wird die Verbindung aus Auditmethodik und technischem Verst\u00e4ndnis damit immer wichtiger.<\/p>\n<h2>Lieferantenaudits werden relevanter<\/h2>\n<p>Die ISO 19011:2026 ber\u00fccksichtigt auch Audits innerhalb von Lieferketten st\u00e4rker.<\/p>\n<p>Das entspricht der Realit\u00e4t vieler Unternehmen. Kritische Prozesse h\u00e4ngen heute h\u00e4ufig von Cloud-Anbietern, Softwareherstellern, IT-Dienstleistern und anderen externen Partnern ab.<\/p>\n<p>Ein wirksames Auditprogramm sollte deshalb nicht ausschlie\u00dflich interne Prozesse betrachten.<\/p>\n<p>Besonders bei kritischen Dienstleistern k\u00f6nnen sogenannte Second-Party-Audits sinnvoll sein. Wie intensiv ein Anbieter gepr\u00fcft werden muss, sollte sich jedoch an seinem Risiko orientieren.<\/p>\n<p>Ein IT-Dienstleister mit administrativem Zugriff auf zentrale Systeme ist beispielsweise anders zu bewerten als ein Lieferant ohne Zugriff auf relevante Informationen oder Gesch\u00e4ftsprozesse.<\/p>\n<p>Dieser risikoorientierte Blick auf Lieferanten spielt auch im Informationssicherheitsmanagement eine zunehmend wichtige Rolle.<\/p>\n<h2>Was bedeutet die ISO 19011:2026 f\u00fcr ISO 27001 Audits?<\/h2>\n<p>F\u00fcr Organisationen mit einem ISMS nach ISO\/IEC 27001 ist die neue ISO 19011 besonders interessant.<\/p>\n<p>ISO\/IEC 27001 verlangt regelm\u00e4\u00dfige interne Audits. Die ISO 19011 kann dabei als methodische Orientierung dienen.<\/p>\n<p>Die \u00c4nderungen passen gut zu aktuellen ISMS-Strukturen, weil Informationssicherheit heute h\u00e4ufig in hybriden und verteilten Umgebungen umgesetzt wird. Cloud-Infrastrukturen, Homeoffice, externe Administratoren und ausgelagerte Prozesse geh\u00f6ren in vielen Unternehmen zum Alltag.<\/p>\n<p>Ein modernes ISMS-Audit muss deshalb ebenfalls flexibel sein.<\/p>\n<p>Dokumente und Interviews k\u00f6nnen beispielsweise remote gepr\u00fcft werden, w\u00e4hrend ausgew\u00e4hlte technische oder physische Kontrollen vor Ort betrachtet werden. Entscheidend ist immer, ob die gew\u00e4hlte Methode belastbare Nachweise liefert.<\/p>\n<h2>Ersetzt die ISO 19011:2026 Vor-Ort-Audits?<\/h2>\n<p>Nein.<\/p>\n<p>Die st\u00e4rkere Ber\u00fccksichtigung von Remote-Audits bedeutet nicht, dass klassische Vor-Ort-Audits \u00fcberfl\u00fcssig werden.<\/p>\n<p>Remote-, Vor-Ort- und hybride Auditmethoden sind vielmehr <strong>unterschiedliche Werkzeuge<\/strong>. Welche Methode geeignet ist, h\u00e4ngt vom Auditgegenstand, den vorhandenen Risiken und den ben\u00f6tigten Nachweisen ab.<\/p>\n<p>Wer beispielsweise physische Zutrittskontrollen, Produktionsabl\u00e4ufe oder technische Installationen bewerten m\u00f6chte, kann weiterhin auf eine Vor-Ort-Pr\u00fcfung angewiesen sein.<\/p>\n<p>Die zentrale Frage lautet deshalb nicht, ob ein Audit m\u00f6glichst digital durchgef\u00fchrt werden kann, sondern ob es wirksam durchgef\u00fchrt werden kann.<\/p>\n<h2>M\u00fcssen Unternehmen jetzt sofort handeln?<\/h2>\n<p>Eine verpflichtende Umstellungsfrist wie bei einer Zertifizierungsnorm gibt es f\u00fcr die ISO 19011 nicht. Sie ist eine Leitlinie und keine eigenst\u00e4ndig zertifizierbare Managementsystemnorm.<\/p>\n<p>Trotzdem sollten Unternehmen bestehende Auditverfahren \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Besonders sinnvoll ist ein Blick auf interne Verfahrensanweisungen, Auditchecklisten, Schulungsunterlagen und Kompetenzanforderungen f\u00fcr Auditoren.<\/p>\n<p>Organisationen sollten pr\u00fcfen, ob Remote-Audits angemessen geregelt sind, virtuelle Prozesse ber\u00fccksichtigt werden und Auditoren digitale Nachweise sicher bewerten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auch die Auditplanung selbst sollte hinterfragt werden. Werden kritische Risiken tats\u00e4chlich st\u00e4rker ber\u00fccksichtigt oder werden jedes Jahr dieselben Bereiche mit identischem Aufwand gepr\u00fcft?<\/p>\n<p>Die Ver\u00f6ffentlichung der ISO 19011:2026 bietet einen guten Anlass, etablierte Auditprogramme auf ihre Aktualit\u00e4t zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Auch PSW TRAINING hat auf die Aktualisierung der Norm reagiert. Unsere <a href=\"https:\/\/www.psw-training.de\/schulungen\/auditierung\/iso-19011\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Schulungen zur Auditierung nach ISO 19011<\/strong><\/a> wurden bereits an die neue ISO 19011:2026 angepasst und werden auf Grundlage der aktuellen Normfassung durchgef\u00fchrt. Teilnehmer lernen damit nicht nur die bew\u00e4hrten Grundlagen professioneller Managementsystem-Audits kennen, sondern besch\u00e4ftigen sich auch mit den Neuerungen der aktuellen Ausgabe, etwa mit modernen Auditmethoden, Remote-Audits, risikoorientierter Auditplanung und den ver\u00e4nderten Anforderungen an Auditorenkompetenz. So stellen wir sicher, dass die vermittelten Inhalte dem aktuellen Stand der Norm entsprechen und unmittelbar in der betrieblichen Auditpraxis eingesetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>ISO 19011:2026 bringt Auditmethoden n\u00e4her an die digitale Realit\u00e4t<\/h2>\n<p>Die <strong>ISO 19011:2026<\/strong>\u00a0ist keine Revolution der Managementsystem-Auditierung. Sie modernisiert jedoch wichtige Bereiche und passt die Auditpraxis st\u00e4rker an heutige Organisationsstrukturen an.<\/p>\n<p>Remote-Audits werden systematischer ber\u00fccksichtigt, virtuelle Standorte gewinnen an Bedeutung und Lieferketten r\u00fccken st\u00e4rker in den Fokus. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Auditoren, digitale Prozesse und elektronische Nachweise angemessen beurteilen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Gerade f\u00fcr Unternehmen mit einem ISMS nach ISO\/IEC 27001 lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die eigene Auditpraxis.<\/p>\n<p>Die entscheidende Frage lautet nicht nur, ob bestehende Verfahren formal zur neuen Ausgabe passen. Entscheidend ist, ob das Auditprogramm die tats\u00e4chlichen Risiken, Technologien und Arbeitsweisen der Organisation realistisch abbildet.<\/p>\n<p>Eine aktuelle Qualifikation von Auditoren spielt dabei eine zentrale Rolle. Schulungen zur Auditierung nach ISO 19011 k\u00f6nnen helfen, die methodischen Grundlagen mit den Anforderungen moderner, digital gepr\u00e4gter Managementsysteme zu verbinden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ISO 19011:2026\u00a0ist ver\u00f6ffentlicht und aktualisiert die Leitlinien f\u00fcr die Auditierung von Managementsystemen. 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