{"id":2342,"date":"2023-02-28T11:51:58","date_gmt":"2023-02-28T10:51:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.psw-training.de\/blog\/?p=2342"},"modified":"2026-08-18T11:30:05","modified_gmt":"2026-08-18T09:30:05","slug":"was-ist-scrum-methode","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.psw-training.de\/blog\/was-ist-scrum-methode\/","title":{"rendered":"Scrum einfach erkl\u00e4rt: Ablauf, Verantwortlichkeiten, Vorteile und Nachteile"},"content":{"rendered":"<p>Scrum wird h\u00e4ufig als agile Projektmanagement-Methode bezeichnet. Fachlich genauer ist Scrum jedoch ein leichtgewichtiges Framework: Es gibt Teams einen klaren Rahmen, um unter komplexen und ver\u00e4nderlichen Bedingungen schrittweise Wert zu schaffen. Statt einen vollst\u00e4ndigen Projektplan fr\u00fch festzuschreiben, arbeitet ein Scrum Team in kurzen Lernzyklen. Ergebnisse werden regelm\u00e4\u00dfig \u00fcberpr\u00fcft, neue Erkenntnisse flie\u00dfen in die weitere Planung ein.<br \/>\nDas macht Scrum besonders interessant, wenn Anforderungen, technische M\u00f6glichkeiten oder Kundenbed\u00fcrfnisse zu Beginn noch nicht vollst\u00e4ndig bekannt sind. Gleichzeitig ist Scrum kein Selbstl\u00e4ufer. Der Nutzen entsteht nur, wenn Verantwortlichkeiten gekl\u00e4rt, Teams tats\u00e4chlich bef\u00e4higt und die vereinbarten Regeln konsequent gelebt werden.<\/p>\n<table style=\"height: 5px;\" width=\"1993\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"624\"><strong>Kurz erkl\u00e4rt<\/strong>: Scrum hilft Menschen, Teams und Organisationen dabei, durch adaptive L\u00f6sungen Wert f\u00fcr komplexe Probleme zu schaffen. Es definiert wenige verbindliche Elemente und l\u00e4sst bewusst Raum f\u00fcr passende Methoden und Techniken innerhalb des Frameworks.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h2>Was ist Scrum?<\/h2>\n<p>Scrum basiert auf <a href=\"https:\/\/www.wibas.com\/scrum\/scrum-theory\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Empirie und Lean Thinking<\/a>. Empirie bedeutet: Wissen entsteht aus Erfahrung, und Entscheidungen st\u00fctzen sich auf das, was tats\u00e4chlich beobachtet wurde. Lean Thinking richtet den Blick auf das Wesentliche und reduziert Verschwendung. Scrum verbindet beides in einem iterativen und inkrementellen Vorgehen.<br \/>\nScrum ist dabei absichtlich unvollst\u00e4ndig. Es beschreibt nicht im Detail, wie jede Aufgabe zu bearbeiten ist. Stattdessen schafft es einen Rahmen aus Verantwortlichkeiten, Events, Artefakten und Regeln. Innerhalb dieses Rahmens k\u00f6nnen Teams je nach Kontext weitere Praktiken einsetzen &#8211; beispielsweise User Stories, Sch\u00e4tzverfahren, Kanban-Boards oder technische Entwicklungspraktiken. Diese geh\u00f6ren nicht automatisch zum Scrum Framework.<br \/>\nDer Begriff Scrum ist \u00fcbrigens keine Abk\u00fcrzung. Er stammt aus dem Rugby und bezeichnet dort ein dichtes Gedr\u00e4nge. Das Bild passt zur Grundidee: Ein Team arbeitet eng zusammen und richtet seine Energie auf ein gemeinsames Ziel.<\/p>\n<h2>Die Grundlage: Transparenz, \u00dcberpr\u00fcfung und Anpassung<\/h2>\n<p>Drei empirische S\u00e4ulen tragen Scrum:<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Transparenz<\/strong>: Relevante Arbeit, Fortschritt und Qualit\u00e4t sind f\u00fcr die Beteiligten verst\u00e4ndlich und sichtbar.<\/li>\n<li><strong>\u00dcberpr\u00fcfung<\/strong>: Ergebnisse und Fortschritt in Richtung der vereinbarten Ziele werden regelm\u00e4\u00dfig und sorgf\u00e4ltig betrachtet.<\/li>\n<li><strong>Anpassung<\/strong>: Wenn neue Erkenntnisse, Abweichungen oder Probleme sichtbar werden, passen Team und Stakeholder ihr weiteres Vorgehen zeitnah an.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Damit diese Mechanismen funktionieren, nennt der Scrum Guide f\u00fcnf Werte: Commitment, Fokus, Offenheit, Respekt und Mut. Sie geben Orientierung f\u00fcr Entscheidungen und Zusammenarbeit. Ohne diese Werte k\u00f6nnen die formalen Scrum-Elemente schnell zu blo\u00dfen Terminen und Listen verkommen.<\/p>\n<h2>Wie funktioniert Scrum? Der Ablauf Schritt f\u00fcr Schritt<\/h2>\n<ol>\n<li><strong>Produkt-Ziel kl\u00e4ren<\/strong>: Das Scrum Team richtet sich auf ein gemeinsames langfristiges Produkt-Ziel aus.<\/li>\n<li><strong>Product Backlog ordnen<\/strong>: Der Product Owner sorgt daf\u00fcr, dass die zur Produktverbesserung ben\u00f6tigte Arbeit transparent, verst\u00e4ndlich und sinnvoll geordnet ist.<\/li>\n<li><strong>Sprint planen<\/strong>: Im Sprint Planning legt das gesamte Scrum Team ein wertorientiertes Sprint-Ziel fest. Die Developers w\u00e4hlen passende Product-Backlog-Eintr\u00e4ge aus und erstellen ihren Plan f\u00fcr die Umsetzung.<\/li>\n<li><strong>Im Sprint Wert schaffen<\/strong>: W\u00e4hrend eines Sprints von h\u00f6chstens einem Monat entsteht mindestens ein nutzbares Increment. Die Developers \u00fcberpr\u00fcfen im Daily Scrum an jedem Arbeitstag den Fortschritt zum Sprint-Ziel und passen ihren Plan an.<\/li>\n<li><strong>Ergebnis \u00fcberpr\u00fcfen<\/strong>: Im Sprint Review betrachten Scrum Team und wichtige Stakeholder das Ergebnis, diskutieren Ver\u00e4nderungen im Umfeld und entscheiden gemeinsam, was als N\u00e4chstes sinnvoll ist.<\/li>\n<li><strong>Zusammenarbeit verbessern<\/strong>: In der Sprint Retrospective untersucht das Scrum Team, wie es Qualit\u00e4t und Effektivit\u00e4t steigern kann, und leitet konkrete Verbesserungen ab.<\/li>\n<li><strong>N\u00e4chsten Sprint starten<\/strong>: Direkt nach dem Ende eines Sprints beginnt der n\u00e4chste. Neue Erkenntnisse flie\u00dfen in das Product Backlog und die weitere Produktentwicklung ein.<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Wichtig<\/strong>: Product Backlog Refinement ist eine fortlaufende Aktivit\u00e4t, aber kein zus\u00e4tzliches offizielles Scrum Event. Dabei werden Eintr\u00e4ge bei Bedarf weiter zerlegt, beschrieben, geordnet und gr\u00f6\u00dfenm\u00e4\u00dfig eingesch\u00e4tzt.<\/p>\n<h2>Das Scrum Team und seine drei Verantwortlichkeiten<\/h2>\n<p>Die zentrale Einheit von Scrum ist ein kleines, interdisziplin\u00e4res und selbstmanagendes Scrum Team. Es besteht aus einem Product Owner, einem Scrum Master und den Developers. \u00dcblicherweise umfasst es zehn oder weniger Personen. Innerhalb des Scrum Teams gibt es keine Teilteams oder Hierarchien; alle konzentrieren sich auf dasselbe Produkt-Ziel.<\/p>\n<h3>Product Owner<\/h3>\n<p>Der Product Owner ist ergebnisverantwortlich daf\u00fcr, den Wert des Produkts zu maximieren. Dazu entwickelt und kommuniziert er das Produkt-Ziel, sorgt f\u00fcr klare Product-Backlog-Eintr\u00e4ge, legt deren Reihenfolge fest und stellt sicher, dass das Product Backlog transparent und verstanden ist. Der Product Owner ist eine Person, kein Gremium.<br \/>\nWichtig ist die Abgrenzung zum klassischen Projektmanager: Der Product Owner verteilt keine Einzelaufgaben und gibt nicht vor, wie die Arbeit auszuf\u00fchren ist. Die Developers entscheiden selbst, wer was wann und wie erledigt. Der Product Owner ordnet die Arbeit mit Blick auf Produkt-Ziel und Wert; die Developers gestalten die konkrete Umsetzung.<\/p>\n<h3>Developers<\/h3>\n<p>Als Developers bezeichnet Scrum alle Personen, die in jedem Sprint an einem nutzbaren Increment arbeiten. Gemeint sind damit nicht nur Softwareentwickler. Je nach Produkt k\u00f6nnen beispielsweise Fachleute aus Analyse, Design, Technik, Forschung, Qualit\u00e4tssicherung oder Betrieb dazugeh\u00f6ren.<br \/>\nDie Developers erstellen das Sprint Backlog, sichern Qualit\u00e4t durch die Einhaltung der Definition of Done, passen ihren Plan t\u00e4glich in Richtung des Sprint-Ziels an und ziehen sich gegenseitig professionell zur Verantwortung.<\/p>\n<h3>Scrum Master<\/h3>\n<p>Der Scrum Master ist daf\u00fcr ergebnisverantwortlich, Scrum entsprechend dem Scrum Guide zu etablieren und die Effektivit\u00e4t des Scrum Teams zu f\u00f6rdern. Er unterst\u00fctzt das Team beim Selbstmanagement, hilft Hindernisse zu beseitigen und stellt sicher, dass die Scrum Events stattfinden, produktiv sind und ihre Timebox einhalten.<br \/>\nDabei ist der Scrum Master weder Protokollf\u00fchrer noch klassischer Teamleiter. Der Scrum Guide beschreibt ihn als eine echte F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeit, die dem Scrum Team und der Organisation dient. Dazu geh\u00f6ren Coaching, Facilitation und die Arbeit an organisatorischen Barrieren.<\/p>\n<h2>Die f\u00fcnf Scrum Events im \u00dcberblick<\/h2>\n<p>Der Sprint ist der umspannende Rahmen f\u00fcr alle anderen Events. Die Zeitangaben des Scrum Guides sind Maximalwerte f\u00fcr einen einmonatigen Sprint; bei k\u00fcrzeren Sprints sind Sprint Planning, Review und Retrospektive in der Regel k\u00fcrzer.<\/p>\n<table>\n<caption>\u00a0<\/caption>\n<thead>\n<tr>\n<th scope=\"col\">Event<\/th>\n<th scope=\"col\">Zweck<\/th>\n<th scope=\"col\">Timebox<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<th scope=\"row\">Sprint<\/th>\n<td>Aus Ideen entsteht ein nutzbares Increment. Alle weiteren Scrum Events<br \/>\nfinden innerhalb des Sprints statt.<\/td>\n<td>Feste L\u00e4nge: h\u00f6chstens ein Monat<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<th scope=\"row\">Sprint Planning<\/th>\n<td>Sprint-Ziel, ausgew\u00e4hlte Product-Backlog-Eintr\u00e4ge und den<br \/>\nUmsetzungsplan gemeinsam erarbeiten.<\/td>\n<td>Maximal acht Stunden<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<th scope=\"row\">Daily Scrum<\/th>\n<td>Den Fortschritt zum Sprint-Ziel \u00fcberpr\u00fcfen und den Plan f\u00fcr den<br \/>\nn\u00e4chsten Arbeitstag anpassen.<\/td>\n<td>15 Minuten an jedem Arbeitstag<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<th scope=\"row\">Sprint Review<\/th>\n<td>Das Ergebnis mit Stakeholdern \u00fcberpr\u00fcfen und k\u00fcnftige Anpassungen<br \/>\nbestimmen.<\/td>\n<td>Maximal vier Stunden<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<th scope=\"row\">Sprint Retrospective<\/th>\n<td>Verbesserungen f\u00fcr Qualit\u00e4t und Effektivit\u00e4t planen.<\/td>\n<td>Maximal drei Stunden<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><small>Hinweis: Die genannten Maximalwerte gelten f\u00fcr einen einmonatigen Sprint. Bei k\u00fcrzeren Sprints sind Sprint Planning, Sprint Review und Sprint Retrospective in der Regel entsprechend k\u00fcrzer.<\/small><\/p>\n<h2>Die drei Scrum-Artefakte und ihre Commitments<\/h2>\n<p>Die Scrum-Artefakte machen Arbeit und geschaffenen Wert transparent. Jedem Artefakt ist ein Commitment zugeordnet. Dieses sorgt f\u00fcr einen klaren Fokus und erm\u00f6glicht es, den Fortschritt zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n<h3>Product Backlog und Produkt-Ziel<\/h3>\n<p>Das Product Backlog ist eine geordnete und fortlaufend weiterentwickelte Liste aller Arbeiten, die zur Verbesserung des Produkts ben\u00f6tigt werden. Sein Commitment ist das Produkt-Ziel. Es beschreibt den angestrebten zuk\u00fcnftigen Zustand des Produkts und gibt dem Scrum Team eine langfristige Orientierung.<\/p>\n<h3>Sprint Backlog und Sprint-Ziel<\/h3>\n<p>Das Sprint Backlog umfasst das Sprint-Ziel, die f\u00fcr den Sprint ausgew\u00e4hlten Product-Backlog-Eintr\u00e4ge sowie den konkreten Umsetzungsplan der Developers. Das zugeh\u00f6rige Commitment ist das Sprint-Ziel. Es verdeutlicht, welchen Wert der aktuelle Sprint schaffen soll, und gibt dem Team einen gemeinsamen Fokus.<\/p>\n<h3>Increment und Definition of Done<\/h3>\n<p>Ein Increment ist ein konkreter und nutzbarer Schritt in Richtung des Produkt-Ziels. Es baut auf den vorherigen Increments auf und muss funktionsf\u00e4hig sein. Das Commitment des Increments ist die Definition of Done. Sie legt verbindlich fest, welche Qualit\u00e4tskriterien erf\u00fcllt sein m\u00fcssen, damit eine Arbeit als abgeschlossen gilt.<\/p>\n<h2>Welche Vorteile bietet Scrum?<\/h2>\n<ol>\n<li><strong>Schnelles Lernen und hohe Anpassungsf\u00e4higkeit<\/strong>: Kurze Feedbackzyklen machen neue Erkenntnisse fr\u00fch nutzbar. Anforderungen und L\u00f6sungswege k\u00f6nnen angepasst werden, ohne das Sprint-Ziel leichtfertig zu gef\u00e4hrden.<\/li>\n<li><strong>Mehr Transparenz<\/strong>: Product Backlog, Sprint Backlog, Increment und gemeinsame Ziele schaffen einen nachvollziehbaren Blick auf Arbeit, Fortschritt und Qualit\u00e4t.<\/li>\n<li><strong>Fokus auf Wert<\/strong>: Das Produkt-Ziel und das Sprint-Ziel helfen, Priorit\u00e4ten zu setzen und nicht nur einzelne Aufgaben abzuarbeiten.<\/li>\n<li><strong>Fr\u00fchere Risikobegrenzung<\/strong>: Kurze Sprints begrenzen den Zeitraum, in dem Annahmen ungepr\u00fcft bleiben. Probleme k\u00f6nnen fr\u00fcher sichtbar und bearbeitet werden.<\/li>\n<li><strong>Regelm\u00e4\u00dfiges Stakeholder-Feedback<\/strong>: Das Sprint Review schafft einen festen Anlass, Ergebnisse und Ver\u00e4nderungen im Umfeld gemeinsam zu betrachten.<\/li>\n<li><strong>St\u00e4rkung von Selbstmanagement und Zusammenarbeit<\/strong>: Das Team entscheidet intern \u00fcber die konkrete Umsetzung und tr\u00e4gt gemeinsam Verantwortung f\u00fcr ein wertvolles Increment.<\/li>\n<li><strong>Kontinuierliche Verbesserung<\/strong>: Die Retrospektive verankert die regelm\u00e4\u00dfige Arbeit an Qualit\u00e4t, Zusammenarbeit, Prozessen und Werkzeugen.<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Einordnung<\/strong>: Scrum kann Dokumentations- oder Verwaltungsaufwand reduzieren, wenn unn\u00f6tige Routinen entfallen. Es verspricht jedoch nicht pauschal weniger Dokumentation. Welche Nachweise und Dokumente sinnvoll oder vorgeschrieben sind, h\u00e4ngt vom Produkt und seinem Umfeld ab.<\/p>\n<h2>Welche Nachteile und Herausforderungen hat Scrum?<\/h2>\n<p>Scrum ist leicht zu verstehen, in der Praxis jedoch anspruchsvoll umzusetzen. Teams m\u00fcssen zun\u00e4chst lernen, die Verantwortlichkeiten, Events und Artefakte sinnvoll zu nutzen. Werden einzelne Elemente ausgelassen oder lediglich formal durchgef\u00fchrt, sinkt der Nutzen des Frameworks deutlich. Gleichzeitig kann Scrum mit bestehenden Unternehmensstrukturen in Konflikt geraten. Selbstmanagement funktioniert nur, wenn Teams tats\u00e4chlich Entscheidungen treffen d\u00fcrfen. Starre Zust\u00e4ndigkeitsgrenzen, regelm\u00e4\u00dfige Eingriffe von au\u00dfen oder ein Product Owner ohne ausreichende Entscheidungsbefugnis k\u00f6nnen die Arbeit erheblich erschweren.<\/p>\n<p>Eine weitere Herausforderung ist der vergleichsweise hohe Kommunikationsbedarf. Die Scrum Events schaffen zwar wichtige Gelegenheiten f\u00fcr Abstimmung, \u00dcberpr\u00fcfung und Anpassung. Fehlen jedoch klare Ziele, eine gute Vorbereitung oder eine professionelle Facilitation, k\u00f6nnen die Termine als zus\u00e4tzliche Meetinglast wahrgenommen werden. Dar\u00fcber hinaus bleiben Umfang, L\u00f6sungsweg und Aufwand bei komplexer Arbeit teilweise unsicher. Scrum verbessert die Vorhersagbarkeit mithilfe empirischer Daten und bisheriger Ergebnisse, kann bestehende Unsicherheiten jedoch nicht vollst\u00e4ndig beseitigen.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlicher Koordinationsaufwand entsteht, wenn mehrere Teams, externe Freigaben oder technische Abh\u00e4ngigkeiten beteiligt sind. In solchen Situationen wird es anspruchsvoller, eine gemeinsame Produktverantwortung und einen einheitlichen Fokus aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig besteht die Gefahr eines Sprint-Tunnelblicks: Konzentrieren sich Teams ausschlie\u00dflich auf einzelne Backlog-Eintr\u00e4ge, k\u00f6nnen das \u00fcbergeordnete Produkt-Ziel, die Gesamtarchitektur, die Qualit\u00e4t oder wichtige organisatorische Rahmenbedingungen aus dem Blick geraten.<\/p>\n<p>Scrum ist deshalb nicht f\u00fcr jede Art von Arbeit automatisch der beste Rahmen. Bei sehr stabilen, gut vorhersehbaren und wiederholbaren Abl\u00e4ufen kann ein einfacherer Prozess effizienter sein. Seine St\u00e4rken spielt Scrum vor allem bei komplexer Arbeit aus, bei der ein echter Lernbedarf besteht und Anforderungen oder L\u00f6sungswege noch nicht vollst\u00e4ndig bekannt sind.<\/p>\n<p>Auch Kosten und Termine sind mit Scrum nicht grunds\u00e4tzlich undefiniert. Die Sprint-L\u00e4nge, die verf\u00fcgbare Teamkapazit\u00e4t und bisherige Ergebnisse bilden eine Grundlage f\u00fcr realistische Prognosen. Bei komplexen Produkten kann jedoch nicht seri\u00f6s garantiert werden, dass ein fr\u00fch festgelegter Gesamtumfang zu einem unver\u00e4nderlichen Termin und innerhalb eines festen Budgets vollst\u00e4ndig geliefert wird.<\/p>\n<h2>Wann passt Scrum &#8211; und wann eher nicht?<\/h2>\n<p>Scrum passt besonders gut, wenn mehrere der folgenden Bedingungen erf\u00fcllt sind:<\/p>\n<ol>\n<li>Das Problem ist komplex und die passende L\u00f6sung muss schrittweise erlernt werden.<\/li>\n<li>Kunden- oder Stakeholder-Feedback kann regelm\u00e4\u00dfig eingeholt werden.<\/li>\n<li>Ein stabiles, interdisziplin\u00e4res Team kann nutzbare Increments erstellen.<\/li>\n<li>Product Owner und Team erhalten die n\u00f6tige Entscheidungsbefugnis.<\/li>\n<li>Priorit\u00e4ten d\u00fcrfen aufgrund neuer Erkenntnisse angepasst werden.<\/li>\n<li>Qualit\u00e4t kann mit einer gemeinsamen Definition of Done transparent gemacht werden.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Weniger geeignet ist Scrum, wenn Arbeit \u00fcberwiegend standardisiert und vorhersehbar ist, ein nutzbares Increment innerhalb kurzer Zyklen nicht m\u00f6glich ist oder die Organisation Selbstmanagement und klare Produktverantwortung nicht zul\u00e4sst. Auch bei einem vollst\u00e4ndig fixierten Leistungsumfang ist zu pr\u00fcfen, ob Vertrag, Steuerung und Erwartungsmanagement mit empirischer Produktentwicklung vereinbar sind.<\/p>\n<h2>Scrum schafft einen Rahmen f\u00fcr komplexe Arbeit<\/h2>\n<p>Scrum bietet klare Verantwortlichkeiten, regelm\u00e4\u00dfige M\u00f6glichkeiten zur \u00dcberpr\u00fcfung und einen konsequenten Fokus auf Wert. Richtig eingesetzt kann das Framework Teams helfen, schneller zu lernen, Risiken fr\u00fcher zu erkennen und Produkte enger an tats\u00e4chlichen Bed\u00fcrfnissen auszurichten.<br \/>\nDie St\u00e4rke von Scrum liegt nicht in maximaler Flexibilit\u00e4t ohne Regeln, sondern in der Verbindung aus kurzen Zyklen, Transparenz, klaren Zielen und konsequenter Anpassung. Daf\u00fcr braucht es ein bef\u00e4higtes Team, einen wirksamen Product Owner, einen unterst\u00fctzenden Scrum Master und eine Organisation, die empirisches Arbeiten wirklich zul\u00e4sst. Ob Scrum geeignet ist, h\u00e4ngt deshalb weniger von der Projektgr\u00f6\u00dfe als von Komplexit\u00e4t, Lernbedarf und den organisatorischen Voraussetzungen ab.<\/p>\n<h3>Scrum lernen und sicher anwenden<\/h3>\n<p>Sie m\u00f6chten Scrum fundiert verstehen oder sich gezielt auf eine Verantwortung als Scrum Master oder Product Owner vorbereiten? Entdecken Sie die <a href=\"https:\/\/www.psw-training.de\/schulungen\/projektmanagement\/scrum\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Scrum-Schulungen von PSW TRAINING<\/a> &#8211; vom kompakten Einstieg bis zur vertiefenden Qualifizierung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Scrum wird h\u00e4ufig als agile Projektmanagement-Methode bezeichnet. Fachlich genauer ist Scrum jedoch ein leichtgewichtiges Framework: Es gibt Teams einen klaren Rahmen, um unter komplexen und ver\u00e4nderlichen Bedingungen schrittweise Wert zu schaffen. 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